Schon mal ein heiseres Baby gesehen – Teil 2?

Jetzt ist also klar, warum Babys nicht heiser werden, selbst wenn sie stundenlang aus Leibeskräften schreien. Dennoch steht weiterhin die Frage im Raum, warum wir dann nicht alle bei der Atmung bleiben, auf die unser Organismus ja scheinbar viel besser ausgelegt ist? Die Lösung liegt – wie sollte es anders sein – in einer weiteren Eigenart der Evolution: Der Tatsache, dass der menschliche Körper immer danach strebt, so ökonomisch wie möglich zu arbeiten.

Mit dem Spracherwerb kommt die Umstellung

Egal, welche Note Sie in Mathematik hatten: Sie sind ein Meister des Umrechnens. Denn Sie können innerhalb von Millisekunden Volumen und Zeit ins Verhältnis setzen und auf eine Idealformel herunter kürzen. Zu abstrakt? Machen wir es plastischer: Jedesmal, wenn Sie beim Sprechen einatmen, berechnen Sie ungefähr, wie viel Luft sie brauchen werden, um den geplanten Satz ohne Atemnot zu beenden. Ein hochkomplexer Vorgang, den Sie innerhalb eines Wimpernschlags absolvieren. Glückwunsch.

Bei Kleinkindern beginnt das mit dem Erwerb der Sprachfähigkeit. Plötzlich stellen sie fest: Keine Luft mehr in der Lunge, aber der Satz ist noch nicht beendet. Also startet hier der Lernprozess, an dessen Ende sie fast perfekt einschätzen können, wie viel Luft sie wirklich zum Sprechen brauchen. Das ist übrigens die Phase, in der Kleinkinder beim Sprechen immer so gehetzt klingen: „Der…(Atmen)….Marlon… (Atmen)…hat… (Atmen)…gesagt…“ Sie sind nicht außer Atem, sie stellen gerade die Atemtechnik um.

Dass diese Technik auch im Erwachsenenalter nicht immer reibungslos funktioniert, merken wir immer dann, wenn wir einen Satz während des Sprechens verlängern, weil uns gerade noch was eingefallen ist. Dann fehlt am Ende die Luft und wir müssen entweder ungeplant eine Sprechpause machen und Luft holen oder drücken das letzte Bisschen Luft zum Satzende aus uns heraus.

Wer sollte richtig atmen?

Das klingt natürlich alles viel dramatischer als es ist. Denn im Alltag, in der täglichen Unterhaltung mit Familie, Freunden und Kollegen ist aktive Atmung definitiv weder störend noch strapazierend. Alle aber, die ihre Stimme oft brauchen, die vor Gruppen sprechen, Vorträge halten – all die sollten sich eventuell mal nach einer Möglichkeit der Stimmschulung umhören. Alle professionellen Sänger, Schauspieler oder Sprecher beherrschen diese Bauchatmung. Denn sie hat, neben der Schonung der Stimmbänder noch weitere Vorteile:

Die Stimme „sitzt“ besser und wackelt nicht, selbst wenn man nervös ist. Man hört kein Atemgeräusch und – kleiner Nebeneffekt – man kann mit der richtigen Atmung Schluckauf besiegen. Innerhalb von wenigen Minuten. Es spricht also einiges dafür, sich diese Technik, die wir alle früher beherrscht haben, wieder anzueignen.

Ein kleiner Tipp noch zum Schluss:

Räuspern ist ebenso Gift für die Stimme. Das raue Gefühl entsteht, wenn sich auf der Schleimschicht der Stimmbänder kleinere „Schleimbatzen“ ablagern. Beim Räuspern werden die Stimmbänder kurz und heftig in Vibration versetzt. Zwar schüttelt man damit diese „Batzen“ ab, aber eben auch den Rest der Schleimschicht.

Die bessere Alternative ist – so blöd es klingen mag – Summen. Beginnen Sie mit dem höchsten Ton, den sie erzeugen können und summen Sie sich hinunter bis zum tiefsten. Dadurch werden die Stimmbänder zunächst gespannt und dann gelockert, wo bei sie die ganze Zeit leicht vibrieren. Diese Technik schüttelt nur die „Batzen“ ab, lässt aber die Schleimschicht intakt.

Meine Homepage

Advertisements
Schon mal ein heiseres Baby gesehen – Teil 2?